Für alle ein Gewinn

Die Kosten für krankheits- und motivationsbedingte Fehlzeiten (Absentismus) setzen sich zusammen aus Lohnfortzahlung, Lohn für Vertretung/Überstunden, zeitweisen Qualitätsverlust, Know-How-Lücken und multiplizierter Ausstattung. So betragen die Kosten für einen AU-Tag das 1,5 bis 2fache eines Tageslohnes. Hinzu tritt der Produktionsausfall durch mangelnde Motivation und Minderleistungen aufgrund von Anwesenheit trotz Krankheiten (Präsentismus). In US-Unternehmen ermittelten Goetzel et al. (2004) deren Anteil auf 61% während der Produktionsausfall durch Absentismus 39% betrug.

Auch mangelnde Unternehmensbindung ist teuer, wobei sich eine Mitarbeiterfluktuation aufgrund von Personalbeschaffung, Einarbeitung und verlorener Kundenbindung auf 1,2 – 1,5 Jahresgehälter beziffern lässt . Eine Studie der Bertelsmann Media Worldwide (2006) belegt die indirekten Effekte von Mitarbeiteridentifikation auf Kranken- bzw. Kündigungsquoten: Die Gruppen mit hoher, niedriger und geringer Identifikation/partnerschaftl. Führung wiesen jeweils um 30% Unterschied auf. In den einzelnen Bertelsmann-Firmen ließ sich anhand der Identifikation auch das Betriebsergebnis ablesen. Möller (2009) zeigte an anderer Stelle, dass 20% mehr Mitarbeiterengagement 9% Erlössteigerung im Service-Bereich erbrachte.

Die Anzahl der Erwerbstätigen insgesamt sinkt und der Wettbewerb um immer weniger qualifizierte Fachkräfte zieht vor dem Hintergrund globaler Märkte und stetig wachsenden Wissens an. Trainings, Work-Life-Balance, Handlungsspielräume, Gesundheits-Service und attraktive Unternehmenskulturen gewinnen immer stärker an Bedeutung. Vielfältige wissenschaftliche Überblicksarbeiten und Pfadanalysen zeigen: Unterstützendes Führungsverhalten, hohe Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation schaffen signifikant mehr Leistung und Commitment und sie vermitteln indirekt auf den Krankenstand. Die Einsparpotenziale von Betrieblichem Gesundheitsmanagement im Konzert mit CI und CSR sind gewaltig. Das BGM der VW AG erbrachte zwischen 1988-2004 beispielsweise eine Steigerung der Gesundheitsquote von 92 auf 97%. Durch 0,1% Steigerung spart VW 19 Mio. € jährlich.

Die Wertschöpfungskette der Prävention lässt sich mittlerweile immer genauer verfolgen: Gesundheitsmanagement-Maßnahmen – Risikoreduktion und Ressourcenförderung – bessere Gesundheit und Stimmung – ökonomischer Nutzen. Strukturierte präventive und therapeutische Gesundheitsprogramme erzielen einen ROI von 1 : 2,5 bis 1 : 10. Bödeker (2008) fand in 20 Interventionstudien eine Reduktion der Abwesenheit zwischen 11 und 68%; Arbeitsunfälle und Fehlerquoten waren bis 50% reduziert. Sie setzten auf die Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren, die Förderung eines gesunden Lebensstils sowie die Förderung von Gesundheitskompetenz. Den höchsten direkten Effekt auf Leistung und Arbeitsfähigkeit hatten mittelfristige, systematische und evidenzbasierte Maßnahmen (siehe Überblick zu Meta-Analysen und Längsschnittstudien von Dahlhaus 2009), die interessanterweise auch die häufigsten individuellen Mitarbeiterbedürfnisse widerspiegeln: Rückenschmerzreduktion mit Bewegungsintegration, Stressmanagement, Steigerung von Arbeitsautonomie/Beteiligungen und gesundes Führungsverhalten.

Konzertierte BGM-Maßnahmen wirken sich zeitversetzt direkt auf den Betriebserfolg aus. Zusätzlich wirken sie indirekt nochmals vermittelt durch die Gesundheit der Beschäftigten. Beides kummuliert für nachfolgende Erhebungszeitpunkte.